Wie Amerika die Nordstream-Pipeline sprengte

Als die Nord-Stream-Pipelines, die Erdgas von Russland nach Deutschland transportieren, im September 2022 beschädigt wurden, waren US-Beamte schnell dabei, Russland zu unterstellen, seine eigenen Pipelines bombardiert zu haben. Einem neuen Bericht des legendären Enthüllungsjournalisten Seymour Hersh zufolge war es jedoch die US-Marine, die die Sabotage mit Hilfe Norwegens durchführte.

Unter Berufung auf eine Quelle „mit direkter Kenntnis der operativen Planung“ beschreibt Hersh, dass die Planung für die Mission im Dezember 2021 begann. Das Weiße Haus und die norwegische Regierung haben diese Behauptungen inzwischen dementiert. Hersh sprach in einem ausführlichen Interview darüber, dass die Entscheidung der USA, die Pipelines zu bombardieren, dazu diente, die Verbündeten auf die Unterstützung der Ukraine festzulegen, als einige von ihnen schwankten. „Die Befürchtung war, dass Europa sich aus dem Krieg zurückziehen würde“, sagt er. Hersh gewann 1970 einen Pulitzer-Preis für seine Berichterstattung über das Massaker von My Lai, als die USA am 16. März 1968 mehr als 500 vietnamesische Frauen, Kinder und alte Männer abschlachteten. Seine Berichte über die Bespitzelung von Kriegsgegnern durch die CIA während des Vietnamkriegs trugen zur Gründung des Church-Ausschusses bei, der zu umfassenden Reformen der Geheimdienste führte. 2004 deckte er den Skandal um die Misshandlung und Folter von Gefangenen in Abu Ghraib im Irak auf.

Er befasste sich mit einem der großen Rätsel des Jahres 2022: Wer steckte hinter der Bombardierung der Nord-Stream-Pipelines, die gebaut wurden, um Erdgas von Russland nach Europa zu transportieren? Die Pipelines wurden im September 2022 durch eine Reihe von Unterwasserexplosionen in der Ostsee schwer beschädigt. Er sagt, dass die Sabotage von der US-Marine durchgeführt wurde, die während der NATO-Übungen im vergangenen September ferngezündete Sprengsätze anbrachte. Hersh berichtet, dass die Biden-Administration mit der Planung des Sabotageakts im Dezember 2021 begann, zwei Monate vor Russlands Einmarsch in die Ukraine.

Am 7. Februar 2022 hielt Präsident Biden eine gemeinsame Pressekonferenz mit Bundeskanzler Olaf Scholz ab, und Biden brachte die Zukunft der Nordstream-Pipeline zur Sprache.

US-Präsident Joe Biden: Wenn Russland einmarschiert, d.h., wenn wieder Panzer oder Truppen die Grenze zur Ukraine überqueren – dann wird es keine Nord Stream 2 mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen.

Reuters Reporter Andrea Shalal: Wie werden Sie das anstellen? Ich meine, wie wollen Sie das tun? Das Projekt und die Kontrolle darüber liegt ja bei Deutschland.

US-Präsident Joe Biden: Ich verspreche Ihnen, dass wir in der Lage sein werden, es zu tun.

Die Pressekonferenz in voller Länger ist unter folgendem Link zu sehen. https://www.youtube.com/watch?v=kBQSSjMhDmA&t=88s&ab_channel=PBSNewsHour. Ab Minute 11:34 bis 12:10 ist die oben zitierte Antwort von US-Präsident Biden zu hören.

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Enthüllungsjournalist Seymour Hersh berichtet, dass Taucher der US-Marine im Juni fernausgelöste Sprengsätze an den Pipelines anbrachten, während die NATO in dem Gebiet militärische Übungen durchführte. Er berichtet, dass die Taucher alle Mitglieder der Navy waren und nicht Mitglieder eines amerikanischen Sondereinsatzkommandos, dessen verdeckte Operationen dem Kongress gemeldet werden müssen. Am 25. September 2022 warf ein norwegisches Überwachungsflugzeug eine Sonoboje ab, die den an der Pipeline angebrachten C4-Sprengstoff auslöste. Kurz nach der Explosion haben die Vereinigten Staaten angeregt, dass Russland hinter der Sprengung seiner eigenen Pipeline steckte. Im folgenden ist die Antwort des nationalen Sicherheitsberaters Jake Sullivan auf eine Frage bei einem Pressebriefing im Weißen Haus.

Reporter: In seiner Rede heute Morgen bezeichnete der Präsident die Angriffe auf die Nordstream-Pipeline als „vorsätzlichen Sabotageakt“. Und er sagte: „Jetzt verbreiten die Russen [falsche] Informationen und Lügen“ darüber. Sollten wir das so verstehen, dass die USA jetzt glauben, dass Russland wahrscheinlich für diesen Sabotageakt verantwortlich war?

Jake sullivan: Nun, erstens hat Russland das getan, was es häufig tut, wenn es für etwas verantwortlich ist, nämlich Anschuldigungen zu erheben, dass es in Wirklichkeit jemand anderes war, der es getan hat. Wir haben das im Laufe der Zeit wiederholt gesehen. Aber der Präsident hat heute auch deutlich gemacht, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, bevor die Regierung der Vereinigten Staaten bereit ist, in diesem Fall eine Schuldzuweisung vorzunehmen.

In den folgenden Monaten gab es nur wenige öffentliche Enthüllungen über die Pipelineexplosion. Im Dezember berichtete die New York Times, Russland habe mit teuren Reparaturen an den Pipelines begonnen, was Fragen zu den westlichen Behauptungen aufgeworfen hat, Russland habe seine eigenen Pipelines bombardiert. In der Zwischenzeit haben einige Biden-Beamte die Tatsache, dass die Pipeline gesprengt wurde, öffentlich gelobt. Die Unterstaatssekretärin für politische Angelegenheiten, Victoria Nuland, gab folgendes Statement während einer Anhörung des Ausschusses für auswärtige Beziehungen des Senats ab:

Victoria Nuland: Ich und auch die Regierung sind sehr erfreut zu wissen, dass Nord Stream 2 jetzt, wie Sie sagen, nur noch ein bloßes Stück Metall auf dem Meeresgrund ist.

Während das Weiße Haus Seymour Hershs Bericht als „völlige Fiktion“ bezeichnet hat, werden die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung der Explosion immer lauter, nicht zuletzt auch durch diverse öffentliche Kommentare wie die seitens der polnischen Regierung, die direkt nach dem Bombenanschlag auf Nordstream 2 sagte: „Danke, Amerika!“.

Natürlich gab es geheime Pläne und sie beinhalten, daß ein Ausschuss gegründet wurde. Jake Sullivan war direkt daran beteiligt. Er war der nationale Sicherheitsberater und ist es immer noch. Es wurde ein Team zusammengestellt, das Optionen prüfte, wie man Druck auf die russische Regierung ausüben könnte, damit sie sich zurückzieht. Sie setzten einen Ausschuss ein, um über Optionen zu tagen. Es war klar, dass Russland gehen mußte. Die Drohung, die der Präsident noch aussprechen musste, war im Dezember 2021 noch nicht ausgesprochen worden. Die Frage innerhalb des Ausschusses, zu dem die üblichen Vertreter wie die CIA, NSA, Finanz- wie Außenministerium etc. gehörten und sich in einem geheimen Bürogebäude im Executive Office Building gegenüber dem Weißen Haus trafen, betraf die Option, ob gewollt ist, dass die Amerikaner etwas Kinetisches tut oder etwas Nicht-Kinetisches? „Nicht-Kinetisches“ wäre mehr Sanktionen zu verhängen, etwas „Kinetisches“ wäre in diesem Kontext das Ausschalten der Pipeline, wie es ursprünglich angedacht worden war.

Und so begannen sie mit ihrer Planung. Sie gingen nach Norwegen, der ein großer Verbündeter der USA ist. Norwegen war einer der Erstunterzeichner des NATO-Vertrags von 1949. 19 Nationen waren damals beteiligt und Norwegen ist ein großer Verbündeter. Die USA hat Hunderte von Millionen, wahrscheinlich sogar eine Milliarde oder mehr für die Modernisierung von Einrichtungen ausgegeben. Norwegen hat eine 18.350 km lange Grenze entlang der Atlantikküste, die von Oslo in Europa bis hinauf in den Norden reicht und oberhalb des Polarkreises auf die russische Grenze trifft. Die USA hat also eine Menge Einrichtungen im Norden installiert. Ein Radar mit synthetischer Apertur, das ein Vermögen kostet, um die russischen Nuklearanlagen in der Umgebung und auch die militärischen Aktivitäten auf der anderen Seite der Kola Halbinsel zu überwachen. Die Norweger haben auch ihre Stärken bei Unterwasserarbeiten. So geschah es, daß Amerika mit ihnen einen Plan ausgeheckt hat, um Nordstream 2 zu sprengen. Norwegen musste es mit Schweden und Dänemark abklären.

So kamen die Bergleute aus einer Royal-Peacock-Opal-Minenanlage in einer kleinen Stadt in Florida. Die Bergbaugemeinde in der Marine ist sehr geheimnisvoll, und sie gehen nur ihren Geschäften nach. Sie sind nicht kommunikationsfreudig, vielmehr reden sie nicht. Das waren genau genommen die perfekten Leute, die für das Vorhaben gewonnen werden konnte. Die Vorgehensweisen wurden geübt. Es ist bekannt, daß jeden Sommer eine große Übung der 6. US-Flotte, welches zu den sechs der aktiven Flotten der US-amerikanischen Seestreitkräfte gehören und dessen Hauptstützpunkt in Italien ansässig ist, stattfindet. Diese verfügt über Einsatz- und Operationsrechte an der Ostsee. Die Ostsee ist ein riesiges Gebiet.

Die Nordstream-Pipelines sind zwei Erdgaspipelines, die unter der Ostsee von Russland nach Deutschland verlaufen. Nord Stream 1 wurde 2011 fertiggestellt und ist seither in Betrieb. Nord Stream 2 wurde 2021 fertiggestellt und hat eine Gesamtlänge von etwa 1.200 Kilometern (750 Meilen). Diese führen direkt von Russland nach Deutschland. Nordstream 1 ist ein Geschenk des Himmels für die deutsche Wirtschaft und Westeuropa, weil Russland mit allen Arten von Gas beladen ist, da in Sibirien enorme Gasreserven verfügbar sind. Hierdurch wird so viel Gas zu enorm niedrigen Preisen produziert, dass die deutsche Regierung tatsächlich in der Lage wäre, einen Teil des von den Russen gelieferten Gas‘ mit Gewinn weiterzuverkaufen, ohne dass Russland etwas dagegen hätte. So könnte auch die deutsche Wirtschaft davon profitieren. Doch momentan zahlen die Deutschen horrende Summen an Gas und Strom, weil die Erdgaspipeline absichtlich gesprengt wurde. Es gibt hierzulande eine Menge Wut.

In der Tat gab es im Juni eine Übung, und die Bomben wurden dort unter dem Deckmantel einer NATO-Übung eingesetzt. Viele verschiedene Länder liefen mit Tauchern herum und sprengten Dinge in die Luft. Es war eine Übung, um Minen zu suchen und zu finden. So eine Operation hatte es noch nie gegeben. Wer auch immer in der CIA oder in den anderen Agenturen mit dieser Idee kam, sollte ironischerweise gehuldigt werden, denn es war als Deckmantel zur Verschleierung ihrer wahren, negativen Absichten ziemlich genial. Bei dieser Übung stiegen die Taucher also hinab und taten das, wofür sie exzellent ausgebildet worden waren. C4 – der Name für Plastiksprengstoffe, der sich durch seine Plastizität auszeichnet und dadurch weich und formbar ist – ist genug in der Lage die meisten Städte in die Luft zu jagen sowie die meisten Gebäude in Washington und vielleicht einige in New York. Diese Taucher verrichteten ihren Job. Doch Präsident Biden zögerte in letzter Minute, weil er befürchtete, dass eine Sprengung direkt nach der NATO-Übung ihnen die Schuld in die Schuhe geschoben werden könnte. So wollte jemand aus ihren eigenen Reihen, die Erlaubnis bekommen, die Pipeline zu jedem anderen Zeitpunkt sprengen zu dürfen, welches einen enormen Ärger innerhalb des Teams verursachte. Dieses Team bestand aus anspruchsvollen Persönlichkeiten in den Geheimdiensten.

Die Erdgaspipeline Nordstream 2 gehört einer Abteilung von Gazprom, die 51% der Anteile hält. Das sind die russischen Oligarchen. 49% der Nordstream 1 gehören vier westeuropäischen Konzernen, die Öl vermarkten. Im Endeffekt sah dieses Team bestehend aus Persönlichkeiten des Geheimdienstes diese vermeintliche Bedrohung als berechtigt an, sodaß es für sie unterm Strich Sinn machte, eine Pipeline in die Luft jagen zu lassen, die einer Abteilung von Gazprom gehört. Ende September bekamen sie jedoch die Nachricht, daß die Hauptpipeline Nordstream 2 gesprengt wurde. Sie hätten nicht gedacht, daß dieser die Erdgaspipeline Nordstream 2, die eine neue ist und gerade erst gebaut worden war, sprengen ließ. Es war eine Pipeline, die zuvor mit Gas gefüllt war, wodurch viel Gas austrat, nachdem es gesprengt wurde. Siebenhundertfünfzig Meilen, etwa 1.200km Methangas befanden sich in der Pipeline. Dies war ebenfalls von der deutschen Regierung gebilligt worden. In den Monaten nach Sprengung der Pipeline, konnte Norwegen ihre Ölproduktion nach Europa um das Doppelte – wenn nicht sogar noch höher – des Gewinns steigern.

Nachdem die Operation zur Sprengung von Nordstream 2 vollzogen wurde, gab US-Präsident ein Statement ab, das viele Menschen, sogar die Geheimdienste sehr beunruhigte:

US-Präsident Biden: „Ich befinde mich in einem großen Krieg mit der Ukraine. Es sieht nicht gut aus. Ich möchte sicher sein, dass ich deutsche und westeuropäische Unterstützung bekomme. Und ich weiß, dass der Winter kommt, und wenn er schlecht wird, möchte ich nicht, dass die Deutschen sagen: ‚Wir müssen uns zurückziehen, denn wir werden massakriert. Wir werden massakriert, weil wir keinen billigen Treibstoff mehr haben, und unsere Wirtschaft wird zusammenbrechen. Wir werden uns zurückziehen und die Gasleitung öffnen.“.

Deutschland hätte die Gasleitung wieder öffnen können. Doch er nahm den Deutschen regelrecht diese Option weg.

Seit die erste Erdgaspipeline – Nordstream 1 – 2011 in Betrieb genommen wurde, und Jahre zuvor, bevor sie gebaut wurde, sprechen die Amerikaner über die Bedrohung durch Gas und damit über die Bedrohung durch billige Energie für Europa. Dies wurde von den Amerikanern immer als Bedrohung gesehen, da damit der Handel mit Russland für Europa schmackhafter gemacht und erleichtert wird. Die USA wollten Russland immer isolieren, denn ihre Befürchtung war, daß Europa sich aus dem Krieg zurückziehen würde. Der Gedanke, dass Russland Gas als Waffe gegen Westeuropa einsetzen könnte, um sich einen Namen zu machen und die Vorherrschaft der USA, dessen Autorität, die wirtschaftlichen Möglichkeiten sowie die Kontrolle über Westeuropa zu schwächen, ist seit zwei Jahrzehnten ein Thema in den USA. Öl macht Angst. Russisches Öl und Gas haben Washington schon immer in Angst und Schrecken versetzt.

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Derweil hat Norwegen dementiert, daß eines ihrer Schiffe, welches an der Planung oder Vorbereitung dieser Übung beteiligt war, zum Zeitpunkt dieser Übungen nicht anwesend war. Doch die norwegische Regierung hatte nicht nur ein Schiff, das an der Operation beteiligt war, sondern auch eine Kompressionskammer, die von der CIA eingeflogen wurde. Die CIA hatte eine Kompressionskammer eingeflogen, die auf dem Schiff angebracht wurde, weil es nur ein U-Boot-Jäger ist. Ein U-Boot-Jäger bezeichnet ein Kriegsschiff oder ein U-Boot, das dazu bestimmt ist, feindliche U-Boote aufzuspüren, zu verfolgen und anzugreifen.

Die Norweger fanden den niedrigsten Stand, den flachsten Teil der Ostsee, der sich vor einer Insel zwischen Schweden und Dänemark befand. Dort haben sie geübt. Für die Taucher waren die Landminen bis zu 260 Fuß, ca. 80m tief. Die Pipeline ist mit einer Stahlummantelung versehen und zusätzlich mit Beton abgeschirmt. Es ist also sehr schwierig und eine große Herausforderung, sie zu sprengen. Ohne Kompressionskammer mußten sie bei 80m Tauchtiefe alle 27m wieder auftauchen. Es ist ziemlich erstaunlich, daß sie hierfür Sauerstoff, Stickstoff und Helium einatmeten.

Das norwegische Schiff war dort und nennt sich Alta. Die Alta ist ein Schiff von Minenjägern, die von der Königlich Norwegischen Marine betrieben wird. Es ist ein U-Boot-Jäger. Es brauchte nicht dort zu bleiben, denn die Taucher konnten abspringen. Es gab keine lange Erholungsphase und die Taucher mußten bis zu einer bestimmten Zeit wieder auftauchen, denn die Zeit war genau und strengsten festgelegt. Es werden nicht einfach C4-Sprengstoffe abgeworfen, die binnen weniger Minuten hochgehen. Es wurde ein Timer aufgestellt, damit die Taucher an die Oberfläche kommen können. Es kann viel schneller gehen, als man denkt, denn auf dem Schiff gab es eine Dekompressionskammer, die von der CIA eingeflogen und dort platziert worden war.

Das war eigentlich eine brillante Operation, wenn man es unter dem Gesichtspunkt einer klassischen Operation betrachten will, denn die Attentäter kamen damit durch. Der Zweck dieser Sprengung war, die Bedrohung glaubwürdig zu machen. Die Amerikaner haben Nordstream 2 gesprengt und sie werden es über kurz oder lang zugeben müssen.


Bilder: Swedish Coast Guard
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