„Das Geldsystem ist am Ende“ – Prof. Franz Hörmann über den Kollaps und die Chance auf ein neues Geld

Das Vertrauen in unser Geldsystem bröckelt. Inflation, Staatsverschuldung, explodierende Immobilienpreise und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sind nicht bloße Symptome einer Krise, sondern die logische Folge eines Systems, das auf einem fundamentalen Betrug aufbaut. Dies ist die kernhafte, unbequeme Botschaft von Prof. Dr. Franz Hörmann, Wirtschaftswissenschaftler an der Wirtschaftsuniversität Wien . In einem exklusiven Interview legt er den Finger in die Wunde und zeichnet ein ebenso düsteres wie klares Bild unserer wirtschaftlichen Zukunft: Das alte Geldsystem ist dem Untergang geweiht – doch genau darin liegt die Chance für einen radikalen Neuanfang.

Dieser Artikel ist ein Weckruf. Er analysiert die Mechanismen des modernen Finanzwesens, die uns zu willenlosen Schuldnern machen, und zeigt einen Weg auf, wie wir diese Dynamik durchschauen und uns von ihr befreien können.

Die große Illusion: Geld als Schuld

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt von Hörmanns Kritik ist die Art und Weise, wie unser Geld entsteht. Die gängige Vorstellung, der Staat oder eine unabhängige Zentralbank drucke Geld und gebe es in Umlauf, ist falsch. Professor Hörmann legt offen, dass über 90 Prozent des umlaufenden Geldes als Giralgeld von privaten Geschäftsbanken geschaffen wird – und zwar aus dem Nichts.

Wie funktioniert dieser Mechanismus?

  1. Ein Kunde nimmt einen Kredit bei seiner Bank auf.
  2. Die Bank bucht den Kreditbetrag einfach auf das Konto des Kunden gut.
  3. Durch diese Buchung aus der Luft entsteht neues Geld. Es wird nicht von irgendwoher transferiert, es wird in dem Moment der Kreditvergabe buchstäblich erschaffen.

Das Problem, so Hörmann, ist, dass bei dieser Geldschöpfung nur der Kreditbetrag, nicht aber die Zinsen mitgeschöpft werden. Die Bank verlangt mehr Geld zurück, als sie je geschaffen hat. Um die Zinsen bezahlen zu können, müssen sich die Schuldner gegenseitig um die existierende Geldmenge konkurrieren. Dies führt zu einem systemischen Druck zu immer mehr Wachstum, immer mehr Verschuldung und einer zwangsläufigen Umverteilung von den Geldnehmern (den Bürgern und Unternehmen) zu den Geldgebern (den Banken und Finanzeliten). Es ist ein perfider Kreislauf, der die Gesellschaft in eine Schuldenfalle treibt.

Der versteckte Skandal: Wenn Kreditverträge zu Kopien werden

Ein besonders brisantes Beispiel, das Professor Hörmann anspricht, offenbart die tiefe Verwerfung im System der Finanzierung: der Umgang mit Kreditverträgen, insbesondere im Hypothekenbereich.

Das Problem der Verbriefung

Das Problem entsteht durch die Verbriefung von Krediten. Banken verkaufen die von ihnen vergebenen Kredite oft an andere Finanzinstitute weiter, um neues Kapital für weitere Kredite zu erhalten. Diese Praxis ist an sich nichts Neues, aber sie führt zu einem juristischen Albtraum. Wenn ein Kreditnehmer in Zahlungsverzug gerät und die Bank verklagt, um das Geld einzutreiben, wird der Kläger vor Gericht aufgefordert, den Original-Kreditvertrag vorzuweisen.

Hier liegt das Problem: Die Bank hat den Vertrag oft längst nicht mehr in ihrem Besitz. Er wurde verkauft, verbrieft und in komplexe Finanzprodukte verpackt. Was bleibt, ist nur eine Kopie.

Der ketzerische Einwand: Gleiches Recht für alle

Vor Gericht wird jedoch oft argumentiert, dass diese Kopie für einen rechtsgültigen Beweis ausreiche. Hörmanns provokanter, aber logischer Einwand lautet: Wenn eine Kopie vor Gericht genügt, um eine Schuld zu beweisen, warum sollte dann nicht auch eine Kopie eines Geldscheins genügen, um diese Schuld zu begleichen? Er führt diesen Gedanken mit beißendem Spott aus:

„Wenn beim Kreditvertrag die Kopie genügt, dann zahle ich sofort meine Schulden zurück mit kopierten Euro-Scheinen. Wenn die Kopie genügt, kann ich ja den Originalvertrag hundert Mal kopieren, dann hätte ich hundertmal soviel Schulden.“

Dies ist kein bloßes Gedankenspiel, sondern die logische Konsequenz einer Rechtsauffassung, die das Original zum Fetisch erklärt und die Kopie als gleichwertig behandelt.

Die Lehre aus der Subprime-Krise: Der Kollaps der Kopien

Dies ist kein Gedankenspiel, sondern eine reale Gefahr, die während der Subprime-Krise in den USA verheerende Auswirkungen hatte, wie Hörmann betont.

Was geschah wirklich?

Banken und Finanzinstitute verkauften Hypothekenkredite mehrfach und in verschiedenen Paketen weiter. Sie kopierten nicht nur die Verträge, sie verkauften auch diese Kopien. Das Ergebnis war ein absolutes Chaos. Viele Hausbesitzer in den USA erhielten plötzlich von drei, vier oder sogar mehr verschiedenen Finanzinstituten Zahlungsaufforderungen – alle beruhend auf ein und demselben ursprünglichen Kreditvertrag. Diese neu gegründeten, oft kaum kapitalisierten Firmen (oft als „kleine GmbH auf der grünen Wiese“ gegründet) pochten auf ihr vermeintliches Recht und drohten mit der Zwangsvollstreckung.

Die Hilflosigkeit der Kreditnehmer

Die Kreditnehmer wussten plötzlich nicht mehr, an wen sie eigentlich schuldbefreiend zahlen sollten, weil der Besitz ihrer Schuld und die damit verbundenen Rechte völlig intransparent geworden waren. Es gab keine klare Eigentumsordnung mehr. Die Kreditnehmer standen vor einem Scherbenhaufen: Sie wussten nicht, an wen sie zahlen mussten, um ihre Schulden rechtsgültig zu tilgen, und riskierten dennoch die Zwangsvollstreckung.

Ein entscheidender Faktor: Das Fehlen eines zentralen Grundbuchs

Dieses Chaos wurde in den USA durch einen fundamentalen Unterschied zum deutschen Rechtssystem verschlimmert. In Deutschland gibt es das Grundbuch, ein zentrales, öffentliches Verzeichnis, das zweifelsfrei dokumentiert, wem ein Grundstück gehört und wer darauf lastende Rechte, wie Hypotheken, besitzt.

In den USA existiert ein solches flächendeckendes, staatlich geführtes Grundbuchsystem nicht. Stattdessen gibt es ein auf den einzelnen Counties basierendes Recording System (Urkundenregister), das eine historische Sammlung aller übertragenen Eigentumsurkunden (Deeds) darstellt. Dieses System ist jedoch unvollständig und fehleranfällig. Es dokumentiert nicht automatisch die aktuelle Rechtslage, sondern bietet nur eine Aufzeichnung von Transaktionen. Die daraus resultierenden Unsicherheiten werden durch private Title Insurance (Eigentumsversicherung) abgesichert, die das Risiko von unentdeckten Altlasten, gefälschten Urkunden oder widersprüchlichen Eigentumsansprüchen übernimmt.

Genau diese Lücke im System machte sich die Praxis des Kopierens und Weiterverkaufens von Kreditverträgen zunutze. Da es keine zentrale, autoritative Instanz gibt, die zweifelsfrei feststellt, wem eine Forderung aktuell zusteht, konnten dubiose Finanzakteure mit kopierten Verträgen agieren und Hausbesitzer in eine existenzielle Not treiben.

Die unausweichliche Konsequenz: Der Crash ist programmiert

Dieses System ist nicht nachhaltig. Hörmann zeichnet in dem Interview ein klares Szenario, warum der Zusammenbruch unvermeidlich ist:

  • Die exponentielle Schuldenfalle: Der Zinseszinseffekt führt dazu, dass die Gesamtverschuldung schneller wächst als die reale Wirtschaft. Die Kreditsumme, die die Gesellschaft zur Rückzahlung braucht, übersteigt die verfügbare Geldmenge. Irgendwann kippt das System – wie es in der Finanzkrise 2008 und in der aktuellen Eurokrise bereits sichtbar wurde.
  • Die Illusion des Wohlstands: Die scheinbare Vermehrung des Geldes führt nicht zu echtem Wohlstand, sondern zu spekulativen Blasen (Immobilien, Aktien) und einer Abkopplung der Finanzmärkte von der Realwirtschaft.
  • Der Staat als Geisel: Der Staat ist längst zum größten Schuldner des Systems geworden. Er muss die Zinsen für seine Kredite zahlen und wird so zum Erfüllungsgehilfen der Banken, indem er deren System durch Steuergelder und staatliche Garantien am Leben hält.

Die Argumente im Detail

Professor Hörmann untermauert seine Analyse mit einer Reihe von konkreten Beispielen und Belegen, die wie folgt dargestellt werden:

  • Die Aktionärsstruktur der EZB: Er zeigt auf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) kein rein staatliches Organ ist, sondern deren Anteile von den nationalen Zentralbanken gehalten werden. Diese wiederum sind im Besitz privater Geschäftsbanken. Dieses Konstrukt, so Hörmann, offenbart die tiefe Verflechtung von staatlicher Geldpolitik und privaten Profiten.
  • Die Diskussion um das Bargeld: Hörmann warnt davor, dass die zunehmende Einschränkung von Bargeldzahlungen ein gezielter Schritt zur vollständigen Kontrolle der Bürger ist. Bargeld ermöglicht anonyme Transaktionen und damit eine gewisse Freiheit vom Überwachungsstaat. Seine Abschaffung würde die Abhängigkeit vom elektronischen Zahlungsverkehr und damit von den Banken weiter verstärken.
  • Die Finanzkrise 2008 als Beleg: Die Bankenrettungen 2008 sind für ihn der Beweis, dass das System nur durch massive staatliche Eingriffe am Leben gehalten wird. Dies zeige, dass die Profite privatisiert, die Verluste aber sozialisiert werden – ein Kernproblem des Systems.
  • Die Rolle der Wirtschaftswissenschaften: Hörmann kritisiert, dass die herrschende Wirtschaftslehre die Probleme des Geldsystems nicht nur ignoriert, sondern durch ihre Modelle sogar legitimiert. Er sieht darin ein „Herrschaftsinstrument“, das die bestehenden Machtverhältnisse zementiert.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas: Hörmann verweist auf die chinesische Wirtschaftspolitik, die eine bemerkenswerte Resistenz gegenüber den typischen westlichen Krisenmustern aufweise. China setze auf die Steuerung realer Wertschöpfung und habe weniger unter dem spekulativen Druck gelitten, der die westlichen Volkswirtschaften präge.

Der Ausweg: Ein neues Geld für eine neue Welt

Doch Hörmann bleibt nicht in der bloßen Krisendiagnose stecken. Er bietet einen konkreten Ausweg an, der die demokratische Souveränität über das Geld zurückgewinnen will. Sein Lösungsansatz ist radikal:

1. Der digitale Euro als Chance (neu gedacht): Die Diskussion um den digitalen Euro wird oft mit Angst vor totaler Überwachung geführt. Hörmann sieht darin eine grundlegende Chance – wenn er richtig gestaltet wird. Ein staatlich herausgegebenes, zinsfreies digitales Zentralbankgeld könnte das private Kreditgeldsystem aushebeln. Es wäre echtes Geld, das nicht als Schuld entsteht, sondern vom demokratischen Staat für das Gemeinwohl geschaffen wird.

2. Abschaffung des privaten Geldschöpfungsmonopols: Das Kernproblem ist das Monopol der privaten Banken auf die Geldschöpfung. Hörmann plädiert für eine Systemänderung, bei der die Geldschöpfung wieder in die Hoheit des Staates und damit in die der Bürger zurückkehrt.

3. Fokus auf Reale Werte, nicht auf Geldwerte: Das neue System müsste darauf ausgelegt sein, reale Werte zu schaffen – Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Wirtschaft. Dies wäre das Ende einer Wirtschaft, die nur noch dem Geld- und Schuldenwachstum dient. Geld ist nach Hörmanns Auffassung weder ein Wertmaßstab, noch ein universelles Tauschmittel noch ein Wertaufbewahrungsmittel, sondern „ein mit Eigentum bedeckter Schuldschein“.

Werden Sie zum Systemversteher

Professor Hörmanns Analyse macht eines klar: Passives Zuschauen ist keine Option. Die Krise ist nicht nur eine Finanzkrise, sondern eine Krise des Vertrauens und der Demokratie. Sie müssen nicht akzeptieren, dass Ihr Leben von einem intransparenten und ungerechten Finanzsystem gesteuert wird. Hier sind Ihre Schritte zur Selbstermächtigung:

  1. Informieren Sie sich: Verstehen Sie, wie die Geldschöpfung funktioniert. Hörmanns Arbeiten und Interviews liefern dafür die Grundlage .
  2. Hinterfragen Sie die „Alternativlosigkeit“: Die Behauptung, es gäbe keine Alternative zum aktuellen System, ist ein Herrschaftsinstrument. Es gibt sie – und sie wird gerade diskutiert.
  3. Fordern Sie Transparenz: Stellen Sie Ihrer Regierung und Ihren Volksvertretern unbequeme Fragen: Wer schöpft das Geld? Wer profitiert? Welche Alternativen werden geprüft?
  4. Unterstützen Sie Reformbewegungen: Engagieren Sie sich für eine gerechtere und nachhaltigere Geld- und Wirtschaftspolitik.
  5. Diversifizieren Sie Ihre Wertehalte: Machen Sie sich unabhängiger vom reinen Geldsystem, indem Sie in reale, krisenfeste Werte investieren und Ihre finanzielle Bildung stärken.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf den Thesen und Analysen von Prof. Dr. Franz Hörmann aus seinen wissenschaftlichen Arbeiten . Die dargestellten Positionen sind als solche zu verstehen und geben die Überzeugungen und Schlussfolgerungen des Autors wieder. Der Artikel versteht sich als Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte über die Zukunft unseres Geld- und Finanzsystems. Die beschriebenen Analysen und Handlungsempfehlungen dienen der Information und stellen keine individuelle Finanz- oder Rechtsberatung dar.

Bild: KI-generiert
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