Erstaunliche Kehrtwende: Trump hält sich bei Epstein-Akten zurück, nachdem er im Wahlkampf auf volle Transparenz gesetzt hatte

epstein trump

Innerhalb der MAGA-Bewegung (Make America Great Again) von Donald Trump hat sich ein tiefer Riss gebildet. Er hat sein Wahlversprechen, die „Epstein-Akten“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zurückgenommen. Viele Anhänger sehen in seinem Dementi über die Existenz einer „Kundenliste“ von Jeffrey Epstein einen Verrat an seinem Wahlversprechen, „den Sumpf trockenzulegen“ und das aufzudecken, was viele Anhänger als Beweis für die kriminelle Korruption, vor allem der selbsterannten demokratischen „Eliten“ ansehen. Jeffrey Epstein war ein mächtiger und gut vernetzten Investor, der vor seinem Tod des sexuellen Handels und der sexuellen Nötigung zahlreicher Kinder, Mädchen und junger Frauen im Teenageralter angeklagt wurde. Trumps beharrte darauf, dass seine Anhänger ihre Fixierung und Fokussierung auf Epstein-bezogene Verschwörungstheorien aufgeben, macht es einigen seiner größten Unterstützer und Förderer äußerst schwer, nicht zumindest den Verdacht zu hegen, dass er etwas zu verbergen hat.

Nachdem am späten Donnerstag ein Artikel veröffentlicht wurde, in dem behauptet wird, dass Trump eine Skizze einer nackten Frau zu einem Geburtstagsalbum für den 50. Geburtstag des Serien-Sexhändlers Jeffrey Epstein beigesteuert hat, das von Ghislaine Maxwell zusammengestellt wurde – die im Übrigen jetzt für etwa 20 Jahre im Gefängnis sitzt -, drohte Trump gegenüber Journalisten, die über seine Administration und die damit verbundenen Skandale berichten, das Wall Street Journal zu verklagen. Die Zeitung veröffentlichte die Skizze nicht, beschrieb sie aber als Umriss einer nackten Frau mit Trumps Unterschrift, die unterhalb ihrer Taille in einer Weise gekritzelt war, die Schamhaare imitierte. Der Skizze war eine maschinengeschriebene Notiz beigefügt, die das Wall Street Journal als „imaginäres Gespräch – geschrieben in der dritten Person – zwischen Trump und Epstein bezeichnete.

Präsident Trump hat bestritten, dass er die Nachricht verfasst hatte und bezeichnet den Fall nun als „Epstein-Schwindel“. Aber inmitten wachsender Empörung unter seiner MAGA-Bewegung über die neuen Anschuldigungen und ihre Forderungen nach dem Justizministerium die Epstein-Akten zu veröffentlichen, sagte Präsident Trump, er weise US-Jurstizministerin Pam Bondi an, die Freigabe von Zeugenaussagen aller Geschworenen zu beantragen, die ein Richter genehmigen müsste und die wahrscheinlich wenig neue Informationen enthalten würden, da es sich nur um einen Teilsatz von Seiten aus der riesigen Menge von Akten handelt, die als Epstein-Akten bezeichnet werden. Am Donnerstag wurde die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, gefragt, ob Trump einen Sonderstaatsanwalt für den Fall Epstein ernennen würde.

Nun, die Idee wurde von jemandem aus den Medien an den Präsidenten herangetragen. Der Präsident würde keinen Sonderstaatsanwalt für den Fall Epstein empfehlen. Das ist seine Meinung. Und was seine Gespräche mit der Justizministerin angeht, bin ich mir nicht sicher.

Karoline Leavitt, US-Pressesekretärin der Trump-Administration

Dies geschah, nachdem die Trump-Administration am Mittwoch mitgeteilt hat, dass sie die langjährige US-Staatsanwältin Maurene Comey entlassen hat, die bei der erfolgreichen Strafverfolgung von Jeffrey Epstein und seiner ehemaligen Liebesgefährtin und Komplizin Ghislaine Maxwell mitgewirkt hat. Maurene Comey ist auch die Tochter des ehemaligen FBI-Direktors James Comey, der ein prominenter Kritiker des Präsidenten wurde, nachdem Trump ihn 2017 entlassen hatte.

Trump tat die Epstein-Geschichte am Mittwoch als „langweilig“ ab, sagte aber, er unterstütze die Veröffentlichung aller „glaubwürdigen“ Dokumente. Später wetterte er gegen Mitglieder der MAGA-Bewegung, die die Freigabe der Epstein-Akten forderten und nannte seine eigenen Anhänger „Schwachköpfe“.

Zu der Epstein-Affäre nimmt Trump und seine Regierung plötzlich eine völlig defensive Haltung ein, eine Art “Hier gibt es nichts zu sehen-Haltung“. Das ist eine verblüffende Umkehrung, denn jahrelang haben einige der prominentesten Persönlichkeiten in der MAGA- und auch in der konservativen Mainstream-Bewegung – darunter einige der ranghöchsten Beamten in Donald Trumps zweiter Amtszeit, wie Dan Bongino und Kash Patel beim FBI – diese MAGA-Verschwörungstheorien über Jeffrey Epstein angeheizt. Sie besagen, dass sein Tod hinter Gittern im Jahr 2019 wahrscheinlich ein Mord war, der begangen wurde, um die angeblichen Sünden und Verbrechen einer pädophilen, von der Demokratischen Partei geführter Kabale zu vertuschen, die dabei hilft, den sog. „tiefen Staat“ zu führen, und dass diese Feinde von Donald Trump und der MAGA-Bewegung, Jeffrey Epstein aus dem Weg geräumt haben, weil sie Angst haben, dass seine Aussage, die Akten oder seine angeblichen Erpressungsaktionen sie belasten würden.

Die Epstein-Akten sind eine Art heilige Schrift und religiöses Verständnis innerhalb der MAGA-Bewegung. Das ist keine Verschwörungstheorie oder Nebensache, die sie sich zu eigen machen, weder weil sie es wollen, noch aus Spaß. Für einen großen Teil der MAGA-Bewegung ist dies fast so etwas wie ein religiöses Prinzip. Wenn Donald Trump versucht, vielen seiner Anhänger zu sagen, dass sie sich endlich von diesem Thema lösen sollen, ist es vergleichsweise wie als wenn er seinen evangelischen Anhängern sagt: „Übrigens, Ehebruch ist keine Sünde. Das habt ihr in der Bibel falsch gelesen. Dieser Teil der Heiligen Schrift existiert nicht“.

Der grundlegend perverse Aspekt dieser Angelegenheit ist, daß Präsident Trump und andere hochrangige Mitarbeiter seiner Regierung eine Menge Zeit und Ressourcen darauf verwendet haben den Schaden zu begrenzen, den sie sich selbst zugefügt haben. Sie haben eine Menge Schadensbegrenzung betrieben und eine Reihe von Bemühungen unternommen – sowie auch bei den wichtigsten MAGA-Anhängern, die Trump persönlich angefleht hat – um sie dazu zu bringen, ihn in Ruhe zu lassen und die ganze Epstein-Sache einfach fallen zu lassen.
Was dieser Tage über diese Angelegenheit festgestellt wurde ist eine Methode, die man normalerweise von Regierungen bzw. dem weißen Haus kennt, wenn sie versuchen, wichtige Gesetze auf dem Capitol Hill zu verabschieden anstatt US-Justizministerin Pam Bondi aufgrund der Epstein-Angelegenheit des Amtes zu entheben.

Die Epstein-Angelegenheit ist vielschichtig. Es gibt viele Risse und Rückschläge in der MAGA-Bewegung, sogar innerhalb des Regierungsapparats und in den obersten Ebenen der Strafverfolgung selbst. Das hat auf einer Art und Weise dramatische Konsequenzen für Donald Trump, die derzeit kein Ende nimmt. Auch hier geht es wieder um Verschwörungstheorien, die seine Leute jahrelang gehegt und gepflegt haben.

Wenn man mit Persönlichkeiten spricht, die Donald Trump nahe stehen, ganz gleich, ob es nun diejenigen sind, die in den oberen Rängen seiner zweiten Administration arbeiten, andere Trump-Berater sind oder welche in seinem weiteren sozialen und politischen Umfeld, wird man in den letzten Tagen immer wieder hören, dass die Art und Weise, wie Donald Trump sich in der Öffentlichkeit verhält und wie er immer wieder darüber spricht und versucht, es online zu posten, es für einige seiner größten Unterstützer und Förderer äußerst schwierig macht, nicht zumindest den Verdacht zu hegen, dass er etwas zu verbergen hat, oder vielleicht sogar, dass er sich irgendwie wie jemand verhält, der in den Epstein-Akten in irgendeiner peinlichen oder ruchlosen Weise vorkommt. Unabhängig davon, ob er etwas zu verbergen hat oder nicht, ist dies eine Frage der Transparenz. Nämlich der Transparenz, der sie sich gerade weigern offenzulegen.

US-Justizministerin Pam Bondi und andere Beamte der von Trump ernannten Strafverfolgungsbehörden, wie der Trump-Hyperloyalist Kash Patel, der jetzt natürlich Direktor des FBI ist, mögen sich nicht. Es gibt schon seit langem kleine Fehden und Spannungen zwischen ihnen. Das ganze Epstein-Debakel hat das nur noch verschlimmert und wieder in den Vordergrund gerückt. Außerdem ist es heutzutage kein Geheimnis mehr, dass die Nummer zwei des FBI, Dan Bongino, und Pam Bondi einander unglaublich misstrauen, vor allem im Zusammenhang mit diesem ganzen Epstein-Schlamassel, und dass sie sich wirklich nicht leiden können, und zwar so sehr, dass jeder, mit dem man innerhalb der Regierung spricht, sagen wird, dass Dan Bongino seinen Ruf oder sein Ansehen in den Sand gesetzt hat, und dass, egal wie lange er offiziell im Amt bleibt, seine Tage gezählt sind. Dies, zum einen wegen seiner eigenen Abneigung gegen diese Situation und zum anderen wegen der Brücken, die er in dieser Angelegenheit soeben ins Meer geschlagen hat.

Es ist also keineswegs übertrieben zu sagen, dass die Trump-Administration durch die Epstein-Affäre zu zerreißen droht, weil wir nicht wissen, wie sich die FBI in den nächsten ein oder zwei Wochen zusammensetzen/besetzt wird. Es ist auch keine Übertreibung, wenn gesagt wird, dass Präsident Trump in dieser Angelegenheit in den letzten weniger als zwei Wochen mehr politischen Schaden und selbstverschuldete Rückschläge erlitten hat als bei der Bombardierung des Iran im letzten Monat. Das ist ein objektiv verrückter Gedanke, den man in Betracht ziehen oder ergründen sollte.

Bild: https://s2.glbimg.com/-6AGSLUD4sIV0BDoz1tUrpVVdPw=/smart/e.glbimg.com/og/ed/f/original/2020/07/02/gettyimages-1192977807.jpg
***